ABTEI VON CHIARAVALLE

Die ZisterziensergemeinschaftDie Zisterziensergemeinschaft
Die Zisterziensergemeinschaft

DIE ZISTERZIENSER

Der zisterziensische Mönchsorden wurde 1098 in Citeaux, Frankreich, ins Leben gerufen. Der Gründer, Robert von Molesme, wollte zusammen mit einer Gruppe von Brüdern die strikte Einhaltung der Regel des Heiligen Benedikt wiederherstellen, da die benediktinischen Klostergemeinschaften jener Zeit die Bräuche etwas gelockert hatten. Gemäß der Benediktinerregel sollte das Leben der Mönche dem Gebet und der Arbeit auf den Feldern gewidmet sein, wobei besonderes Augenmerk auf die Trockenlegungsmaßnahmen und die sinnvolle Nutzung des Territoriums gelegt werden sollte. Die Wahl des Ortes erfolgte aufgrund der Entfernung zu den Ortschaften und der Nähe zu einem Fluss. So entstanden die fünf französischen Mutterabteien, An allen Orten, an denen sich die Mönche niederließen wurden sie willkommne geheisen, wodurch zahlreiche kleinere Abteien entstanden.  
Im Jahre 1130 begann in Europa das Schisma, das den Papst Innozenz II. und den Gegenpapst Anakletus II. als Gegner stellte, wobei König Lotarius II. für den ersteren, während König Corrado von Schwaben für den letzteren war. In diesem Zusammenhang spielte Abt Bernhard von Clairvaux (1090-1153), eine führende Persönlichkeit, eine sehr wichtige diplomatische Rolle und stand auf der Seite von Innozenz II. 
Nach seiner Rückkehr aus dem Rat von Pisa (1135) wurde Bernhard von Clairvaux vom Klerus eingeladen, die Stadt Mailand zu besuchen, um die Mailänder Kirche wieder zum Gehorsam gegenüber dem Kaiser und dem Papst zu bringen. 
Seine Anwesenheit trug zur Entstehung der Abtei von Chiaravalle bei, obwohl er bei der Gründung des Komplexes nicht anwesend war.
Der erste Abt von Chiaravalle war Brunone, ein persönlicher Freund von Bernardo und sein Begleiter auf diplomatischen Expeditionen.
Fassade der Abtei von Chiaravalle MilaneseFassade der Abtei von Chiaravalle Milanese
Fassade der Abtei von Chiaravalle Milanese

DIE KIRCHE

Die Abtei von Chiaravalle wurde zwischen 1134 und 1135 in einem sumpfigen Brachland gegründet, wo es viele Dörfer gab, die in die Besitztümer des Klosters integriert wurden. Von Anfang an unterstützten die Mailänder Bürger die Gründung der Abtei, spendeten Land und sammelten die notwendigen Mittel. Von der ersten Siedlung ist jedoch heute nichts mehr erhalten. Der Bau der heutigen Kirche begann zwischen 1150 und 60. Das Gebäude aus Ziegelsteinen wurde vom Chor und der Apsis aus errichtet, um so schnell wie möglich Gottesdienste halten zu können, 1221 weihte der Erzbischof von Mailand offiziell die Abtei von Chiaravalle (die Kirche) ein. In der Folgezeit wurden die Arbeiten mit dem Bau des ersten Kreuzgangs und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit dem Anbau des Sonnenturms fortgesetzt. Zwischen 1493 und 1497 wurden der Kapitelsaal und der große Kreuzgang gebaut, während der Uhrenturm aus dem Jahr 1368 stammt. 
1798 ordnete das Direktorium der Cisalpinen Republik die Unterdrückung des Klosters an und ein Teil des Komplexes wurde abgerissen. Darüber hinaus wurde der Komplex 1860-62 durch den Bau der Eisenbahnstrecke Mailand-Pavia-Genua weiteren Umbauten unterzogen. Der Große Kreuzgang, das Noviziat, das Wohnheim, das Abtgebäude, der Kapitelsaal und ein Teil der Friedhofskapellen wurden zerstört. Zwischen 1894 und 1896 begannen die Restaurierungsarbeiten durch das Regionalbüro für Denkmalpflege, die von 1918 bis 1920 fortgesetzt wurden, bis 1923 das Dorf und die Abtei von Chiaravalle Teil des Mailänder Territoriums wurden. Im Jahr 1952 konnten die Zisterziensermönche nach Chiaravalle zurückkehren. Die wichtigen Restaurierungsarbeiten wurden bis in die ersten Jahrzehnte des neuen Jahrtausends fortgesetzt.
 
Die Mühle von ChiaravalleDie Mühle von Chiaravalle
Die Mühle von Chiaravalle

DIE MÜHLE

Im Inneren der Klosteranlage gelegen ist dieser mittelalterliche Bau der Mühle von Chiaravalle der Ort, an dem früher Getreide gemahlen wurde. Heute ist es ein Mehrzweckzentrum zur Erziehung zur Nachhaltigkeit.
Die Mühle von Chiaravalle wurde im 12. Jahrhundert erbaut (das erste Dokument, das ihre Existenz und ihren Betrieb bescheinigt stammt aus dem Jahr 1238). Ursprünglich war sie mit Eichenrädern ausgestattet, die leider nicht mehr existieren und die vom Wasser des Kanals Vettabbia bewegt wurden. Auf diese Weise wurden Steinräder aus Granit zum Mahlen des Getreides in Bewegung gesetzt, das dann in den noch erhaltenen Behältern im Erdgeschoss gesammelt wurde. Heute grenzt die Mühle an einen großen eingezäunten Garten hinaus, in dem sich ein Gemüsegarten befindet. Im Inneren befinden sich Räume aus verschiedenen Epochen, die sich um das ursprüngliche Gebäude gruppieren. Die Restaurierung der Mühle wurde 2009 abgeschlossen und ermöglicht es verschiedene pädagogische Aktivitäten wie Tagungen, Workshops, Kräuterworkshops, Spielangebote für Kinder im Sommer und für Schulen während des Schuljahres durchzuführen.
 
Blick aus dem Kreuzgang der Abtei von Chiaravalle MilaneseBlick aus dem Kreuzgang der Abtei von Chiaravalle Milanese
Blick aus dem Kreuzgang der Abtei von Chiaravalle Milanese

DER KREUZGANG

In der Nähe der rechten Seite der Kirche, im Bereich des Langhauses, befindet sich der Kreuzgang. Sein Bau wird auf die gleichen Jahre wie der der Kirche zurückgeführt, auf die Zeit zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert. Von der ursprünglichen Struktur sind jedoch nur noch die der Kirche zugewandte Seite und beiden Joche erhalten. Wenn man den Kreuzgang betritt, kann man über der Zugangstür ein Fresko bewundern, das die Madonna auf dem Thron mit dem Kind darstellt, die von den Gründervätern des Zisterzienserordens von Chiaravalle (Zisterzienser) verehrt wurde. Rechts befindet sich die Tafel zum Gedenken an das Gründungsdatum vom 11. Februar 1135 und die Weihe von 1221. Der Kreuzgang zeichnet sich durch spitze Bögen auf Doppelsäulen aus, von denen einige Kapitelle menschliche und tierische Motive aufweisen. Ein weit verbreitetes Element der Zisterzienserabteien sind die „Knotensäulen“auf der Nordwestseite, während sich auf der Südseite das Refektorium aus dem 14. Jahrhundert befindet. Auf der Ostseite des Kreuzganges befindet sich der Kapitelsaal, ein Ort, an dem Entscheidungen über die Leitung der Abtei und die Mönche getroffen werden. Im Inneren gibt es an den Wänden drei Ansichten von Mailand: die im Bau befindliche Kathedrale, das Castello Sforzesco mit dem Turm des Filarete und ein Fragment des Glockenturmes einer Kirche. Weiter befindet sich im Inneren auch das alte Altarbild des Hauptaltars der Abtei, das die Krönung der Jungfrau Maria mit den Heiligen  Benedict und Bernard darstellt Der Boden des Saals, der sich durch kostbare Marmorintarsien auszeichnet, stammt aus der Mailänder Kathedrale, während der Abteistuhl aus der Basilika von S. Ambrogio stammt
 Der Glockenturm der Abtei von Chiaravalle Milanese Der Glockenturm der Abtei von Chiaravalle Milanese
Der Glockenturm der Abtei von Chiaravalle Milanese

DER GLOCKENTURM

Der Bau des Turmes geht auf das Jahr 1329 zurück, zwei Jahrhunderte nach dem Bau der Abtei von Chiaravalle, und wird Francesco Pecorari von Cremona zugeschrieben. Der 56,2 m hohe Turm wurde aus massivem Mauerwerk erbaut und verweist mit seiner komplizierten Verflechtung von Ebenen und Kombinationen auf den spätgotischen lombardischen Stil, im Gegensatz zu den vom Heiligen Bernhard gewünschten Stils einer strengen Architektur. 
Er setzt sich aus drei übereinander liegenden Bauabschnitten mit achteckigem Grundriss zusammen, die jeweils aus drei Stockwerken bestehen. 
Die Wände sind durch Hängebögen, Sprossenfenster und kleine Loggien auf Säulen unterbrochen und enden in einer konischen Spitze.
Der Glockenturm beherbergt eine der ältesten Glocken des ambrosianischen Systems, die Bernarda, die noch immer von den Mönchen von Hand mit einem Seil bedient wird, das bis zum Boden reicht. Die Glocke läutet, um die Mönche zum Stundengebet und während des Sanctus der Konventmessen zusammenzurufen. 
Der Turm wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts umgebaut, aber dank einer Restaurierung, die 1894 von Luca Beltrami begonnen und 1914 von Gaetano Moretti abgeschlossen wurde, konnte er sein ursprüngliches Aussehen wiedererlangen. Im Mailänder Dialekt wird der Turm „ciribiciaccola“ genannt; Spuren dieses Spitznamens finden sich in einem alten Reim im Dialekt. Wahrscheinlich bezeichnet der Begriff den Storch, der früher auf dem Turm nistete.
Der Uhrenturm  der Abtei von Chiaravalle MilaneseDer Uhrenturm der Abtei von Chiaravalle Milanese
Der Uhrenturm der Abtei von Chiaravalle Milanese

DER UHRENTURM

Der Uhrenturm ist im Vergleich zum Glockenturm eher unauffällig. Tatsächlich ist seine Geschichte aber sehr interessant. 
Der ursprüngliche Turm stammt aus dem Jahr 1368. Leonardo da Vinci erwähnte ihn bereits im Codex Atlanticus. 
Dieser Quelle zufolge befand sich im Inneren des Turmes „Die Uhr des Turms von Chiaravalle, die den Mond, die Sonne, die Stunden und Minuten anzeigt“. Es war eine astronomische Uhr, die nach den geozentrischen Theorien der Zeit entworfen wurde, die auf verschiedenen Zifferblättern die Stunden, Minuten und die Bewegung von Mond und Sonne anzeigte. 
Einigen Quellen zufolge gab es die Uhr Anfang des 19. Jahrhunderts noch am Glockenturm, obwohl sie nach der Plünderung durch die Franzosen Ende des 18. Jahrhunderts beschädigt wurde. Seitdem gibt es von ihre keine Spur mehr. Die heutige Uhr stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (1826), während die fünf Glocken im Inneren des Turms aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen. Die Glocken der Abtei von Chiaravalle, die von Hand geläutet werden, sind den heiligen Engeln Gottes, den verstorbenen Gläubigen, dem Heiligen Petrus dem Apostel, der Seligen Jungfrau vom Heiligen Rosenkranz und dem Heiligen Herzen Jesu gewidmet.
Innere Kirchenschiffe der Abtei von Chiaravalle Milanese (oben)<br>Chor der Abtei von Chiaravalle von Milanese (unten)Innere Kirchenschiffe der Abtei von Chiaravalle Milanese (oben)
Chor der Abtei von Chiaravalle von Milanese (unten)
Innere Kirchenschiffe der Abtei von Chiaravalle Milanese (oben)
Chor der Abtei von Chiaravalle von Milanese (unten)

DAS INNERE DER ABTEI

Das Innere der Kirche hat die Form eines lateinischen Kreuzes, mit einem Querschiff, einer geraden Apsis und einem dreischiffigen Bauwerk getrennt durch Rundbögen, die auf zylindrischen Säulen ruhen, ohne Kapitell. Das Mittelschiff ist das größte und besteht aus vier Buchten, während die Seitenschiffe in acht kleine Joche unterteilt sind. Im quadratischen Presbyterium befindet sich der Hochaltar (1689) und der Abteistuhl, der 1576 von Gotthard mit der stillende Muttergottes im Mittelteil und den beiden Heiligen Benedikt und Bernard in den Seitenteilen angelegt wurde. Der Chor fällt mit dem fünften Joch des Kirchenschiffes zusammen und wurde von Carlo Garavaglia, dem Meister des Barock (1645-1649), aus Nussbaumholz gefertigt, während die Tafeln der Chorgestelle Episoden aus dem Leben des heiligen Bernhards darstellen.  
Auf dem Vierungsturm, das aus einem quadratischen Aufbau besteht, befindet sich ein achteckiges, Gewolbe, deren die Kuppel eine eindrucksvolle Verzierung aufweist, die das Firmament nachbildet. Wendet man der Blick von der Kuppel weg, kann man die Querschiffe bewundern. Das rechte hat drei Kapellen, die erste ist dem heiligen Bernhard von Clairvaux gewidmet, die zweite dem Leidensweg Jesus und die dritte dem Heiligen Benedikt. Darüber hinaus befindet sich am südlichen Querschiff die Sakristei, die 1412 als kleine Kapelle erbaut und später von 1637 bis 1708 erweitert und umgebaut wurde. Das linke Querschiff schließlich mit seinen Kapellen aus dem 12. Jahrhundert, die Maria Magdalena (1582), dem heiligen Stephanus und dem Rosario gewidmet sind.
 
Einige Fresken der Abtei von Chiaravalle MilaneseEinige Fresken der Abtei von Chiaravalle Milanese
Einige Fresken der Abtei von Chiaravalle Milanese

KUNST UND FRESKEN IN DER ABTEI

Gemäß den vom Heiligen Bernhard von Clairvaux gewünschten Baukanons wurde anfänglich der Prunk verbannt und anschließend auch die Gemäldedekoration verboten. In den Jahrhunderten nach dem Bau der Abtei wurden jedoch große Veränderungen vorgenommen und Chiaravalle wurde zu einem wertvollen Ort für die Kunstgeschichte. Heute können wir an der Fassadenrückwand den Hauptzyklus der Fresken in der Kirche (1613-1616) von Bartolomeo Roverio und seinen Brüdern Giovanni Battista und Giovanni Mauro della Rovere bewundern. Die dargestellten Szenen zeigen die Geschichte der Zisterzienser und sind an den Hauptpunkten des Gebäudes verteilt; die Gründung der Abtei; die weibliche Allegorie der Kirche mit dem Antipapst und den Mailändern, die vor ihr knien, die Bürger außerhalb der Porta Romana, die dem Heiligen das Modell der Kirche anbieten; eine Gruppe von Handwerkern, die am Bau des Gebäudes beteiligt waren; und zwei Wunder, die  der Heilige Bernhard während seines Aufenthalts in Mailand vollbrachte (die Heilung eines Kindes und ein Exorzismus). Die Seitenschiffe weisen keine Gemäldedekoration auf, es gibt jedoch eine Marmorbüste des Heiligen Bernhard aus dem 17. Jahrhundert. An den Wänden des Presbyteriums befinden sich zwei Visionen des Heiligen Bernhard: die Lactatio Bernardi und der Traum von der Weihnachtsnacht, während am Gewölbe (1572) die Vier Evangelisten und in den Gewölbesegeln die musizierenden Engel zu sehen sind. An den Seitenwänden des Chores (1613) befinden sich zwei Fresken von Luigi Miradori (genannt "Genovesino“): die Visionen des Heiligen Bernhard: Die Engel antworten auf das Te Deum auf der rechten Seite und die Engel notieren mit Gold-, Silber- und Schwarztinte die Inbrunst der psalmodierenden Zisterzienser auf der linken Seite. In Richtung Kuppel sind die Gemälde zu sehen, die die Basis der Segmente schmücken, die die vier Evangelisten und die Lehrer der lateinischen Kirche darstellen. Zwischen den Fenstern des Tiburio sind sechzehn Heiligenfiguren dargestellt. Blicken wir hinab, sehen wir die Geschichten der Jungfrau Maria. Sie stammen wahrscheinlich aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und sind das Werk von Stefano Fiorentino, einem Schüler von Giotto. Außergewöhnlich in ihrer kompositorischen Raffinesse, stellen sie ein einzigartiges Thema dar: das Himmelfahrt der Maria, einschließlich der Szenen der Verkündigung ihres Todes durch den Erzengel Gabriel an Maria, der Ablegung ihres Körpers im Grab und der anschließenden Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele. 
Das rechte Querschiff zeigt den Stammbaum der Zisterzienserfamilie. An der gleichen Wand befindet sich die Treppe zum alten Schlafsaal, darüber die Madonna mit Kind und Engeln, ein Meisterwerk des großen Renaissance-Meisters Bernardino Luini (1512). Ebenfalls im rechten Querschiff können wir die Erscheinung Mariens dem Heiligen Bernhard, die Errichtung des Koinobiums von Cîteaux, den Hl. Bernhard und die musizierenden Engeln und David bewundern, der den Zorn Sauls beschwichtigt. Das linke Querschiff hingegen weist die folgenden Fresken auf: Bernardo von Poblet wurde von einem Muslim aus Spanien getötet, dessen Schwester er bekehrt hatte; San Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, der in der Kathedrale von den Soldaten König Heinrichs II. von England ermordet wurde; die Krönung der Jungfrau Maria; zwei Zisterzienserinnen mit seliggesprochenen Seelen, die dem Heiligen Bernhard präsentiert wurden; das Martyrium der Zisterzienserinnen in Polen und das Martyrium von Abt Kasimir und den Mönchen von Olivia in Preußen.
 
ABTEI VON CHIARAVALLE

ENTWÄSSERUNG DES MOORS

Wie bereits erwähnt, wählten Zisterziensermönche Orte mit ganz besonderen Eigenschaften, um eine Abtei ins Leben zu gründen. Die beiden grundlegenden Merkmale waren die Isolation des Ortes von den Siedlungen und das Vorhandensein eines Wasserlaufes. 
Die Abtei von Chiaravalle erhebt sich heute im Parco Agricolo Sud Milano, gleich außerhalb der Porta Romana, in der Nähe der Vettabbia, einem Wasserweg, der aus der Zeit der römischen Herrschaft stammt. In den Jahren, in denen die Abtei gebaut wurde, war die Stadt jedoch von einem riesigen Sumpf umgeben, der, nach einigen historischen Quellen, im Besitz der Familie der Archinti war. Die landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes war nur dank der Entwässerungsarbeiten möglich, die von den Zisterziensermönchen mit aktiver Unterstützung der Behörden und der Mailänder Gemeinschaft durchgeführt wurden, so dass Friedrich II. von Schwaben 1220 die Kontrolle der Abtei über die Wasserstraße und die Befreiung von Zöllen und Steuern garantierte. Auch aus diesem Grund war es möglich, die Arbeit der Landgewinnung und -rückgewinnung fortzusetzen. 
Zunächst wurden die Gewässer des Vettabbia entsprechend kanalisiert, Gräben wurden ausgehoben und Dämme gebaut. Nachdem das Land ausgetrocknet war, war es notwendig, die richtige Bewässerung und damit die richtige Dosierung für die Jahreszeiten und Kulturen bereitzustellen.
Im Klosterleben spielte die Handarbeit, auf die sich die benediktinische Lehre ausdrücklich bezog, schon immer eine wichtige Rolle und bald wurden die Zisterziensermönche im gesamten mittelalterlichen Europa für ihr Engagement und ihre technischen Fähigkeiten bekannt.
 
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KULTIVIERUNG DES LANDES

Die wichtigen Kultivierungsarbeiten der Zisterziensermönche ermöglichten den Anbau auf einst ungesunden und sumpfigen Böden. Die Hingabe an die Arbeit auf den Feldern und die Wiederherstellung sumpfiger Gebiete war ein gemeinsames Merkmal aller Zisterzienserabteien. Dank des riesigen Kommunikationsnetzes, das die Mönche untereinander verband konnte, technisches Wissen austausgetauscht werden und auch in vielen Kilometern Entfernung konnten die gleichen Systeme angewendet werden.
Die Innovation, die in den Jahren nach der Rückgewinnung vor allem zum Wohlstand des Landes beitrug, war das System der Wiesenbewässerung, das von den Mönchen für den Futteranbau genutzt wurde. Das System, das sich bald über die Poebene ausbreitete, besteht darin, das Land dauerhaft zu bewässern, damit das Gras, geschützt von der Temperatur des Wassers, auch in den Wintermonaten wachsen kann. 
Diese Technik ermöglichte zahlreiche Futterschnitte pro Jahr und lieferte viel Futter für Nutztiere.
Bald wurde die Abtei von Chiaravalle Milanese zu einem echten Bauernhof mit einer sehr breiten Palette von Produkten: Milch, Milchprodukte, Gemüse und Wein.   
Noch heute widmen sich die Mönche dem Gebet und der Arbeit auf den Feldern, und in der Abtei gibt es einen Laden, in dem man ihre Produkte kaufen kann: Kosmetik, Süßigkeiten, Wein, Backwaren und vieles mehr. 
 
ABTEI VON CHIARAVALLE

GESCHICHTE DER PRODUKTION IN DER ABTEI VON CHIARAVALLE: DER BEGINN

Die umfangreiche Produktion von Futter, das als Nahrung für die Nutztiere verwendet wurde, führte zu einer höheren Milchproduktion der Kühe, so dass die Mönche ein System zur Konservierung erfinden mussten. 
Historisch gesehen ist diese Tatsache sehr interessant, denn im Mittelalter waren die Menschen durch das Klima und die Umgebung, in der sie lebten, geprägt und konnten nur den natürlichen Rhythmen und biologischen Gesetzen folgen. Für die Landwirtschaft und Viehzucht bedeutete dies, sich den Jahreszeiten zu unterwerfen und die Lebensmittel, die die Natur von Monat zu Monat anbietet, anzunehmen. 
Die Konservierungstechniken von Lebensmitteln steckten noch in den Kinderschuhen und beschränkten sich auf sehr einfache Verfahren (Sonnentrocknung oder Salzen): Die Milch musste am Tag des Melkens verzehrt werden und auch der Käse war nicht lange haltbar. 
Nach gründlicher Überlegung und einigen Experimenten entwickelten die Mönche der Abtei die Idee, die Milch lange Zeit zu kochen, ein wenig Lab hinzuzufügen und sie dann zu salzen. So wurde der Hartkäse geboren: Dieser raue und beständige „cacio“ wurde in den Kesseln der Klöster hergestellt, die zu den ersten echten Molkereien der Geschichte wurden. Hier, unter den wachsamen Augen der Mönche, begannen sich bestimmte Berufsstände wie der „casaro“, herauszubilden. Der „casaro“ ist ein wahrer Experte in der Kunst der Käseherstellung.
Aufgrund des langen Reifeprozesses nannten die Mönche ihren Käse „caseus vetus“, „alter Käse“. Der Name unterstreicht nur ein Element des Grana Padano, das ihn von den traditionellen, frischen Käsesorten unterschied, die damals schnell gegessen werden mussten.
Da die Bauern mit dem Lateinischen nicht vertraut waren, nannten sie ihn damals „Grana“, wegen seiner typischen körnigen Textur durch die kleinen Calciumkristalle aus der verarbeiteten Milch. Unterschiedliche Regionen produzierten ihren jeweiligen Grana mit den jeweiligen Herkunftsbezeichnungen. Zu den bekanntesten zählt der „lodesano“ (aus Lodi), der von vielen als der älteste angesehen wird, der „piacentino" (aus Piacenza) und der „mantovano“ (aus Mantua). Der Ruhm des „Grana“, der der in der Poebene produziert wurde, machte ihn im Laufe der Zeit zu einem wertvollen Käse, dem Protagonisten der Renaissance-Bankette der Fürsten und Herzöge. Unter den historischen Aufzeichnungen, in denen der Käse erwähnt wird, befindet sich ein Brief von Isabella d'Este, der Ehefrau von Francesco II Gonzaga und Marquise von Mantua. Isabella schickte den berühmten Käse als Geschenk an ihre Verwandten, die Herzöge von Ferrara. Es war das Jahr 1504.
Dank seines großen Nährwertes, der langen Haltbarkeit, den charakteristischen Eigenschaften und des Geschmacks des Grana Padano wurde der „formai de grana“ zu einer wichtigen Nahrungsquelle für die Menschen, die in diesem Land lebten, vor allem während der schrecklichen Hungersnöte.

Der „Grana Padano“ wurde so zum Ausdruck einer ganzen sozialen und wirtschaftlichen Kultur, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung. Er wurde sowohl von den Reichen als auch von den Adeligen hochgeschätzt, die sich an eine recht aufwendige und raffinierte Küche gewöhnt hatten, im Gegensatz zu den Armen, deren tägliche Rezepte im Vergleich viel einfacher und traditioneller waren.
 
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PRODUKTIONSGESCHICHTE: VON DEN ANFÄNGEN DES 20. JAHRHUNDERTS BIS HEUTE

Vor nicht allzu langer Zeit, hat die Entwicklung der gastronomischen Kultur und der Lebensmittelpraktiken dazu geführt, dass die Merkmale und Besonderheiten vieler Zubereitungen, die als Ausdruck von mehr oder weniger alter Tradition und Geschichte galten, klar definiert werden mussten. So entwickelte sich die Idee, den einstigen „allgemeinen“ Namen eines typischen Käses in einen eigenen Namen zu verwandeln, der in der Lage ist, einen einzigartigen und unnachahmlichen Käse zu bezeichnen. Kurzum, es entstand der Wunsch, den „Grana Padano“ nur mit dem Käse zu identifizieren, der aus sehr spezifischen Rohstoffen hergestellt wird, dank genau definierten Techniken und Verfahren, und in einem ebenso abgegrenzten Produktionsgebiet. Am 1. Juni 1951 unterzeichneten die Arbeiter und Techniker der europäischen Käsehersteller in Stresa, Piemont ein Abkommen, in dem die Regeln für die offizielle Bezeichnung der Käsesorten und die Identifizierung ihrer spezifischen Merkmale festgelegt wurden. Aus diesem Anlass wurde der Käse „Grana lodigiano“ in zwei Sorten eingeteilt, die heute als Grana Padano und Parmigiano Reggiano zu finden sind. Am 18. Juni 1954 gründeten Federlatte (Verband der Molkereigenossenschaften) und Assolatte (Verband der Milchindustrie) das Konsortium zum Schutz des Grana Padano, dass die Produzenten, die Reifungsbetriebe und die Einzelhändler des Käses wieder zusammenführte. Am 30. Oktober 1955 wurde die Verordnung Nr. 1269 des Präsidenten der Republik über die „Anerkennung der Ursprungsbezeichnungen in Bezug auf die Verarbeitungsmethoden, die Merkmale der Erzeugnisse und die Produktionsbereiche für Käse“ erlassen. Darunter ist auch der Grana Padano zu finden. Erst mit den Ministerialerlässen von 1957 übernahm das Schutzkonsortium „Consorzio di Tutela del Grana Padano“ die Aufgabe, die Produktion und den Handel mit dem Käse zu überwachen. Am 12. Dezember 1976 wurde eine Vereinbarung getroffen, um den Zweck und die Ziele des Konsortiums zum Schutz des Grana Padano zu bestätigen. Der primäre Zweck war es, die Einzigartigkeit des Käses zu schützen. Außerdem sollte der Käse bekannt gemacht und beworben werden, durch Aufklärung über seine Eigenschaften, Initiativen und Aktivitäten zur Unterstützung der lokalen Produktion und durch Regulierung von Vertrieb und Marketing, nicht nur in Italien, sondern weltweit. Im Jahr 1966 erhielt der Grana Padano von der Europäischen Union die DOP Anerkennung – „Geschützte Ursprungsbezeichnung“. Im Anschluss an diese Anerkennung wurde neben der Zustimmung des Schutzkonsortiums und des italienischen Landwirtschaftsministeriums eine externe Zertifizierungsgesellschaft, CSQA, beauftragt, die sicherstellt, dass jeder einzelne Laib Grana Padano exakt nach den geforderten Spezifikationen gefertigt wird. Zwischen 2002 und 2011 wurden die Statuten des Grana Padano Schutzkonsortiums erneuert, überarbeitet und erweitert. Damit wurde die vom Ministerium für Landwirtschafts-, Lebensmittel- und Forstpolitik genehmigte Fortsetzung seiner Tätigkeiten und Zielsetzungen bis zu dem vorerst für den 31. Dezember 2054 vorgesehenen Datum bestätigt.
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